Resilienz-Ambulanz

Konzept

Bei vielen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Sucht, Angst- oder Verhaltensstörungen spielen umweltbedingte Faktoren wie Stress oder belastende Lebensumstände eine wichtige Rolle. Im Vorfeld solcher Erkrankungen entwickeln sich häufig aus akuten stressvollen Überlastungssituationen in Beruf oder Familie chronische Überlastungen, die mit Symptomen wie Erschöpfung, Müdigkeit, Schmerzen, Schlafstörungen usw. einhergehen. Häufig werden solche chronischen Stressreaktionen als "Burnout" bezeichnet. Werden solche chronischen Stressreaktionen nicht rechtzeitig erkannt und wenden die Betroffenen negative Bewältigungsstrategien wie z.B. Alkohol- und Drogenkonsum an oder vernachlässigen Freizeit, Erholung und Privatleben, können diese Stressreaktionen je nach Veranlagung eines Menschen einen sogenannten Schwellenwert überschreiten und in psychische Erkrankungen wie die oben genannten übergehen (s. Abb.).

prozessmodell_webProzessmodell der Entwicklung psychischer Störungen

 

Auf der anderen Seite aber weiß man, dass akute oder chronische Stressreaktionen nicht bei allen Menschen zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung führen. Oder mit anderen Worten: Viele Menschen sind widerstandsfähig gegen Stress. Diese Widerstandsfähigkeit gegen Stress bezeichnet man als Resilienz. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, dass (neuro-)biologische, psychische und soziale Ressourcen Schutzfaktoren darstellen, die dazu beitragen, die Entwicklung einer stressbedingten Erkrankung zu verhindern, indem sie den Anpassungsprozess an den Stressor positiv beeinflussen (s. Abb. unten). Einige dieser sogenannten Resilienz-Faktoren wie z.B. Optimismus, Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung, Zukunftsplanung und Akzeptanz können gestärkt und trainiert werden. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit für ein negatives Entwicklungsergebnis wie z.B. "Burnout" oder eine psychische Erkrankung reduziert werden.

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Modell der Gesundheits- und Resilienzförderung

 

Angebote der Resilienz-Ambulanz

In der Resilienz-Ambulanz sollen belastete Menschen/Mitarbeiter mit akuten oder chronischen Stressreaktionen beraten und über Resilienz-fördernde Maßnahmen informiert werden.

Zu den Angeboten der Resilienz-Ambulanz gehören:

  • Diagnostische Abklärung und Einordnung von vorliegenden Krankheitssymptomen: Hier ist das Ziel, zu klären, ob die vorliegenden Symptome Zeichen einer chronischen Stressreaktion sind oder ob bereits eine psychische Erkrankung vorliegt, die spezifisch behandelt werden muss.
  • Aufklärung über Frühwarnzeichen psychischer Erkrankungen.
  • Angebote präventiver Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, insbesondere zur Ressourcenförderung und -aktivierung, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, das seelische und körperliche Wohlbefinden zu steigern und die Gesundheitskompetenz zu verbessern.
  • Beratungsgespräche zur Erstellung individueller Therapieempfehlungen, eines Behandlungsplans und gegebenenfalls Weitervermittlung an entsprechende Therapiestellen, um Chronifizierung und Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen.

Aktuell befindet sich die Resilienz-Ambulanz noch im Aufbau. Deshalb können die Angebote vorerst nur Unternehmen und sozialen Einrichtungen angeboten werden.

Leitung der Resilienz-Ambulanz
Prof. Dr. med. Klaus Lieb / Prof. Dr. sc. hum. Michèle Wessa